Institut für systemische Fort- und Weiterbildung, Supervision und Coaching

Kinderarbeit im Elternhaus

Fotolia_83578419_XSElterncoaching :: Was sollen Kinder zu Hause mithelfen? Was müssen sie tun? Wie kriegt man Jugendliche dazu, im Haushalt auch mal was zu tun? Wo fängt Hotel Mama an und wo hört es auf? Wie können Eltern ständiges Ermahnen und Quengeln vermeiden und was ist die Alternative?

Fast alle Eltern, die ich in Beratung und Coaching habe, berichten, daß sich ihr Max nicht an die aufgestellten Regeln halte und im Haushalt nicht das mache, was vereinbart worden sei.

Daß diese Regeln gemeinsam vereinbart worden seien, ist schön geredet, denn in Wirklichkeit, wollten die Eltern, daß diese Regeln aufgestellt werden und haben gegenüber Max so getan oder es so hingebogen, daß es einen bilateralen Vertrag gäbe. Stimmt aber fast nie, denn würde man Max fragen, ob er diese Regeln wollte, würde er ziemlich sicher antworten: “Na, die Eltern wollten das – ich nicht!” Max hat dem nur zugestimmt, weil er seine Ruhe haben wollte.

Die Aufstellung von Regeln ist fast immer nicht gemeinsam erarbeitet und aufgestellt worden, sondern einseitige elterliche Forderungen!

Wenn es bei Pubertierenden Widerstände gibt, zu Hause mitanzupacken und Pflichten und Aufgaben wahrzunehmen und es zu ständigen Ermahnungen und Erinnerungen durch die Eltern kommt und alle begeben sich in das Fahrwasser gegenseitigen Nervens, hat das zumeist eine längere Geschichte.

Überprüfen Sie es selbst: haben Sie Max als er noch ein Kind war, häufig erinnert und ermahnt, zu Hause dieses und jenes tun zu sollen? Und war Max darüber schön frühzeitig genervt? Wozu dann als Eltern mehr desselben weiter machen, wo man doch längst weiß, daß man sich nur gegenseitig nervt.

Viele Eltern glauben paradox: Wenn ich nur häufig und oft genug Max dazu bringe, sich an der HAusarbeit zu beteiligen, dann wird er von selbst schon die Notwendigkeit einsehen.

“Ich will, daß Du von selbst drauf kommst.” Paradox!

Wenn Max in der Phase der Pubertät sich zu Hause nicht an der gemeinsamen Versorgung beteiligt, ja diese geradezu verweigert, dann lassen Sie bitte umgehend das Thema ruhen. Kein Wort mehr darüber. Sowieso nicht, wenn Max ein Rauschmittelkonsument ist oder exzessiven Mediengebrauch zeigt. Denn dann gibt es bedeutsamere Baustellen, als den Tisch zu decken und den Mülleimer rauszubringen. Dann müssen Sie sich als Eltern entscheiden, was nun wirklich wichtig ist und sich absolut auf das Wichtigste konzentrieren und beschränken, z. B.

“Ich möchte, daß Du konsumfrei wirst.”

Wenn Sie dann eine halbe Stunde später damit angekommen, daß Max den Müllereimer immer noch nicht geleert hat, besteht ein ziemlich hohes Risiko, daß er die Forderung nach Konsumfreiheit nicht ernst nimmt.

Und was ist jetzt mit Hotel Mama?

Dazu habe ich inzwischen eine ziemlich klare Meinung: Wir Eltern sollten für alle Aufgaben und Leistungen der Familiengemeinschaft zuständig sein. Für alle Gemeinschaftsräume und deren Sauberkeit und Ordnung, fürs Geldverdienen, wie fürs Einkaufen und Essenzubereiten, für den Müll (Ich weiß auch nicht, warum in unserer Kultur Kinder immer zuständig sein sollen fürs Mülleimer rausbringen. Finde ich nicht besonders attraktiv.) und einfach für alles. Wenn Max sich von selbst daran beteiligt – wunderbar, wenn nicht, dann nicht!

Aber Max hat sich um alle seine eigenen Belange zu kümmern und zwar ohne jegliche Einmischung der Eltern.

Fangen wir einmal morgens an:

Spätestens ab Beginn der Pubertät wird sich Max für den nächsten Morgen den Wecker stellen und natürlich selbst aufstehen. Sollten Sie zur gleichen Zeit ohnehin den Frühstückstisch decken, dann bitte für Max mit. Aber Pausenbrote schmieren ist vorbei, dann gibt es auch keinen Frust, wenn sie liegen bleiben und vergessen worden sind. Auch kein Ermahnen: “Du mußt jetzt mal voran machen, sonst schaffst Du den Bus nicht!” Zeitmanagement lernt man nur durch eigene Erfahrung.

Wenn Sie früher als Max aufstehen und das Haus verlassen, können Sie ja den Frühstückstisch für Max mitdecken. Aber wenn Sie dreimal abends von der Arbeit nach Hause kommen und der Tisch steht gedeckt noch wie sie ihn am Morgen verlassen haben, d. h. Max hat nicht alles weggeräumt, dann werden Sie nicht meckern, sondern bei Ihrem vierten Frühstück, selbst alles wegräumen, so daß Max morgens keinen gedeckten Tisch vorfindet.

Der Tag schreitet voran. Sie werden natürlich Max keine Erinnerungen und Ermahnungen für die Schule und den Nachmittag mit auf den Weg geben. Die Zeiten sind vorbei. Ermöglichen Sie Max Alltagserfahrungen damit er fit fürs Leben wird. Auch wenn Sie nachmittags oder abends von der Arbeit nach Hause kommen, werden Sie Max nicht fragen:

Wie war es in der Schule?
Hast Du Hausaufgaben gemacht?
Mußt Du noch was tun?
Wann steht die nächste Arbeit an?
Mußt Du dafür nicht noch was tun?
Bist Du sicher, daß Du genug gelernt hast?
Willst Du Dich nicht besser nochmal dazu hinsetzen?
Wie, Du willst noch weg – hast Du für die Schule nichts mehr zu tun?

“Boahhhh – Du nervst voll krass !”

Wie soll der Junge denn da Freude und Spaß 1. am eigenen Lernen bekommen und 2. auf irgendwas Erreichtes stolz über die eigene Leistung sein können, wenn immer Sie im Hintergrund rumturnen?!

Fazit:

Wir als Eltern stellen der Familien- / Hausgemeinschaft alle Dienstleistungen zur Vefügung!

Wir erwarten im Gegenzug, daß die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sich verantwortungsvoll um ihr eigenes Leben kümmern. Damit haben die reichlich und genug zu tun. Für die eigene Ernährung sorgen, was man machen muß, wenn man zu den familienüblichen Zeiten nicht anwesend ist; natürlich für das eigene Zimmer und die eigene Wäsche sorgen; mit dem Taschengeld zurechtzukommen (das feste Taschengeld ist ein MUSS, aber keine immer wiederkehrende EXTRAS ebenso) und überhaupt zurecht kommen mit allem was das pubertierende Leben so bietet und einem abfordert.

Und wenn die Jugendlichen das halbwegs verantwortlich machen, dann werde ich als Vater und Mutter gerne für alles Gemeinschaftliche sorgen.