Institut für systemische Fort- und Weiterbildung, Supervision und Coaching

Pubertät

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAEin paar Gedanken zur Pubertät, die im Elterncoaching immer wieder Thema sind:

Bis zum Beginn der Pubertät haben die Eltern (hoffentlich) alles getan. Sie haben ihren Kindern vermittelt, was Gut und Böse ist, d. h. welche Normen und Werte für sie (die Eltern) bedeutsam sind; wie man mit der Welt und den Menschen umzugehen hat; wie man mit sich selbst umzugehen hat; was Verantwortung für andere und auch für sich selbst bedeutet; und und und …

Ab dem Beginn der Pubertät ändert sich etwas Entscheidendes: die Kinder sind nicht mehr primär auf uns Eltern orientiert, sondern nach und nach, und das manchmal ziemlich rasch und vehement, auf die Welt außerhalb der Familie orientiert.

Uns Eltern kommt nun die Aufgabe zu, mit fürsorglicher Aufmerksamkeit (Zitat Haim Omer) die Kinder zu begleiten, d. h.: Die ganz lange Leine!

Wir nennen das die Ankerfunktion. Die Eltern bestimmen vor der Pubertät noch maßgeblich die Richtung in der sich die Kinder zu bewegen haben – moderat, aber doch maßgeblich. Ab der Pubertät müssen die Kinder unter dem schützenden Dach (passiv schützen durch einfache Anwesenheit = Da Sein = präsent sein – nicht aktiv schützen durch Curling!) eigene Lebenserfahrungen machen. Die Eltern repräsentieren einen festsitzenden Anker, der in stürmischer See Halt gibt.

Das ist zu einer großen Kunst geworden, daß Eltern es sich leisten können, den Kindern keine Schwierigkeiten und Hindernisse aus dem Weg zu räumen = Curling, sondern ihren Kindern zumuten, daß sie Schwierigkeiten, Problemen und Aufgaben gegenüber stehen und nun erstmal selbst schauen müssen, wie sie diese angehen und bewältigen. Vor allem auch, sich dabei als Eltern zurückzuhalten, wenn wir sehen, daß unser Kind jetzt gleich dabei scheitern wird und einen Mißerfolg erleben wird! Zugegeben, das ist für Eltern nicht einfach, aber für unsere Kinder existentiell wertvoll, wenn sie lebenstüchtig und selbstbewußt werden sollen. Genau diese Erfahrungen können wir Eltern den Kindern nämlich selbst nicht kommunizieren – das können die Kinder nur selbst erfahren!

Lebenserfahrung.

Wenn die Kinder an einer Aufgabe ganz alleine scheitern, können sie lernen. Wie geht man mit Enttäuschung und Frust um. Wie bewältigt undverarbeitet man das. Wie steckt man das weg. Das könnnen Eltern einem Kind nicht “vorbeten”, das muß man erfahren.

Wenn die Kinder eine Aufgabe erfolgreich ganz alleine bewältigen, können sie stolz sein und das stärkt das Selbstwertbefühl! Diese Erfahrung muß man machen. Das können Eltern durch Reden nicht vermitteln.

Also: beide Lebenserfahrungen – Scheitern wie Erfolg – sind bedeutsame Erfahrungen, um nach und nach erwachsen werden zu können. Wir Eltern müssen uns, um unseren Kindern diese Erfahrungen zu ermöglichen und sie dabei nicht zu stören, weit weit weitestgehend zurücknehmen: Wir sind ein Anker mit einer ganz ganz langen Leine, an der die Kinder weit weit raus in die Welt gehen, um ihren Erfahrungen zu machen, die wir ihnen zumuten, damit sie stark werden. Als Anker sind wir im Hinter-GRUND präsent und greifen nur ein, wenn existentielle Gefährdungen drohen.

Das dürfte ein Diskussionspunkt sein, was jeweils Eltern für existentiell halten.